Systemische Seniorenbegleitung in Kooperation mit dem BRK-Seniorenheim Hemau

Sebastian Halser (Leiter des Seniorenheimes).

Ausgeführt von Teilnehmern der Weiterbildung in Familientherapie und systemischer Beratung und supervidiert von

Hanna Grünewald-Selig, Lehrende Systemische Therapeutin und Lehrsupervisorin, Institutsleitung.

Unsere Philosophie:

Das Leben ist ein lebenslanger Lernprozess. Das bedeutet in unserem Verständnis, aktiv bis zum Ende des Lebens am Leben teilzunehmenund teilzuhaben und so gute Lebensqualität zu sichern. In jeder Situation sollte Menschen Hoffnung vermittelt werden, selbst wenn sie sich aus dem Leben verabschiedet. Unserer Meinung nach haben Menschen das Recht, ihren Alterungsprozess und Sterbeprozess positiv als Veränderung wahrzunehmen.

In Neurobiologie und Hirnforschung haben Wissenschaftler erkannt, dass unser Gehirn durch positive emotionale Erfahrungen und Erlebnisse über die Fähigkeit verfügt, auch bei einer geistigen Behinderung, durch neue Verschaltungen das geistige oder seelische Befinden deutlich zu verbessern. Ausfälle können nicht nur ausgeglichen, sondern Lebensqualität wieder aufrecht erhalten oder sogar verbessert werden. (s. Gerald Hüther)

Das bedeutet: 

  • Über Erinnerungen sich wieder diesen positiven Erlebnissen zu öffnen.

  • Statt Verbitterung - Versöhnung anzustreben.

  • Verständnis zu bekommen für Leid.

  • Unterstützung für positive Erinnerungen und Erfahrungen.

Wir knüpfen daran an und ermöglichenGespräche über Vergangenes. Das kann heilsam und hilfreich sein. Oft erleben Senioren dieses als Erleichterung, einmal nach der Vergangenheit gefragt zu werden und dieses aussprechen zu dürfen.

Auch wenn Negatives häufig im Vordergrund steht, sind doch positive Erfahrungen langfristig das Tragende im Leben einer Person und Beziehung zur Familie. Positive Erlebnisse helfen das Leben als lebenswert zu betrachten.

Wir als systemische Berater haben durch unsere neutrale Haltung die Möglichkeit, auch schwierige Situationen und Probleme   leichter anzuhören, wo Angehörige oder Pflegepersonal oft  überfordert sind. Eine intensive Supervision während der Weiterbildung unserer Weiterbildungskandidaten hilft, schwierige Situationen zu erkennen und professionell damit umzugehen.

Methoden der systemischen Beratung:

  • Gespräche führen und verstehen.
  • Nonverbale, spielerische und kreative Kommunikation erleben.

  • Arbeit mit Bildern, Fotoalben und Stammbäumen, Geschichten erzählen.

  • Ressourcen aus der Geschichte entdecken, die hilfreich sind.

  • Gelegenheit, traurige oder traumatische Erfahrungen neutralen Beratern erzählen zu dürfen.

  • Verständnis, Vorsicht und Fingerspitzengefühl.

  • Positive Erlebnisse wieder erinnern.

  • Gruppendynamische Aspekte in der Wohnsituation der Senioren zu beachten.

Settings der Beratung:

  • Besprechung mit Angehörigen, Paaren, Einzelnen oder mit der Familie.

  • Einzelkontakt zum Bewohner.

  • Sitzung mit Angehörigen und Bewohnern.

  • Sitzung nur mit Angehörigen.

  • Kontakt zum Pflegepersonal unter Einhaltung der Schweigepflicht.

Inhalte der Beratung:

  • Lebensbilder mit Bewohnern anschauen - positive Erinnerungen fördern.

  • Biografie und Verständnis für Veränderungsprozesse im Leben.

  • Probleme in einem neuen Licht sehen.

  • Kreative Möglichkeiten zur neuen Perspektive.

  • Versöhnungsarbeit - aber auch Unterscheidungsarbeit mit Bewohnern und Angehörigen.

  • Lebenserfahrungen als wichtige Lernerfahrungen.

  • Beratung und Gespräche mit Angehörigen und Betroffenen, z. B. Schuldgefühle.

  • Begleitung der neuen Lebenssituation im Heim.

  • Umgang mit der Angst - nicht mehr zu Hause zu sein.

  • Kontakt und Kommunikation mit anderen Bewohnern.

  • Sich in der Gemeinschaft neu erleben.

  • Ängste mildern, Hoffnung schöpfen.

  • Fachlicher Austausch mit dem Pflegpersonal unter Einhaltung der Schweigepflicht.

Über die wenige Zeit des Pflegepersonals in Seniorenheimen wird in der heutigen Zeit viel geklagt. In ausführlichen Gesprächen mit der Heimleitung Herrn Halser,  haben wir die Idee entwickelt, unseren Beitrag als Ausbildungsinstitut für angehende Familienberater und systemische Therapeuten für die besondere Situation derSenioren zu leisten. 

So lernen die angehenden Familienberater, mit Senioren und ihren Angehörigen beraterisch zu arbeiten und gleichzeitig können Senioren und ihre Familien von dieser Begegnung ebenfalls Unterstützung und Hilfe bekommen.

Auch bei Demenzerkrankungen ist unsere Arbeit gefragt, da die auszubildenden Kollegen als Psychologen, Sozialpädagogen, Pädagogen und anderen Berufen  mit Senioren, Demenzerkrankten und ihren Angehörigen in ihren Arbeitsfeldern umgehen lernen.

Auch das Pflegepersonal profitiert von unserer Arbeit. Nach den Gesprächen sind viele Senioren nicht mehr auffällig, können sich besser entspannen oder können die anderen Bewohner besser verstehen. In unseren Erfahrungsberichten haben alle Beteiligten davon profitiert: mehr Verständnis, weniger Schuldgefühle, mehr das Gefühl, ein sinnvolles Leben zu haben.

Angehörigenberatung:

Wir arbeiten mit folgenden Fragen:

  • Wie geht man mitSchuldgefühlen um, wenn die Senioren ins Heim kommen?
  • Wie kann man mit Demenz-Kranken kommunizieren und besser zurecht kommen?

  • Wie geht man mit Erinnerungen in der Kommunikation um?

  • Wie können Angehörige unterstützt werden?

  • Wie und wann können Angehörige sich abgrenzen?

  • Wie können Angehörige wieder mehr Lebensqualität bekommen?

  • Wie kann die Zusammenarbeit zwischen Pflegepersonalund Angehörigen verbessert werden?

  • Wie kann man eine stressfreie Kommunikation fördern?

  • Wie kann man gegenseitige Wertschätzung aufbauen?